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H1: Drama in drei Akten E-Mail
Geschrieben von: TV Muttenz Handball   

Das Eins lag gegen Favorit Magden schon hoffnungslos mit 9:17 zurück, drehte jedoch das Spiel und ging mit zwei Toren in Führung. Am Ende fehlte dann aber die Kaltschnäuzigkeit - Magden gewann mit 23:24 (8:13).

Wo anfangen in einem Spielbericht über einen dermassen ereignisreichen Abend, der sich am Freitag im Kriegacker zutrug? Mit den drei roten Karten, die sich der TV Muttenz einhandelte, mit der furiosen Aufholjagd, die die Magdener in bedenklicher Weise verunsicherte oder mit der turbulenten Schlussphase, in der das Heimteam einen Zweitore-Vorsprung noch aus der Hand gab? Es bietet sich an, die Dramaturgie der Vorkommnisse chronologisch wiederzugeben. Das Spiel war nämlich nichts Geringeres als ein Drama in drei Akten.

Akt I: Die ersten Spielminuten/die Situation verschärft sich
Allen war zu Beginn der Partie klar, dass Magden der klare Favorit auf die zwei Punkte sein würde - und zwar ohne Wenn und Aber. Auch den Gästen aus dem Fricktal war diese Tatsache bewusst. Selbstbewusst stiegen sie ins Geschehen und legten nach einer kurzen Findungsphase gekonnt die Bälle ins Netz der Muttenzer. Der TVM seinerseits reagierte gut darauf und konnte bis zum 5:5 problemlos mithalten. Danach verschärfte sich jedoch die Situation drastisch: Innerhalb von gut fünf Minuten kassierten die beiden TVM-Spieler Stefan Schneilin und Misa Kaspar eine direkte rote Karte! Schneilin (11.) fuhr einen Magdener im Gegenstoss ungeschickt über den Haufen, Kaspar liess sich in einem Zweikampf im Angriff zu einer Tätlichkeit hinreissen (16.). Weitere kleine Zweiminuten-Strafen und das verletzungsbedingte Ausscheiden von Nikola-Alen Jeker besorgten dann den Rest und die Fricktaler vermochten die unter Schock stehenden Muttenzer mit Leichtigkeit zu distanzieren. Eine derartige Flut an Strafen zerriss das Spiel der Einheimischen komplett, bis zur Pause geriet man mit fünf Toren in Rückstand und die Köpfe hingen extrem tief. Nach gut 40 Minuten betrug der Rückstand gar acht Tore (9:17), schlimmer konnte es gar nicht laufen. Die Stimmung in der Halle befand sich auf dem Tiefpunkt. Wie bloss in ein solches Spiel zurückfinden? 

Akt II: Die zweite Halbzeit/die Partie wird gedreht
Über den Kampf! Wie vom Trainerduo Fromm/Hartmann in der Halbzeitpause vermittelt, war eine Rückkehr ins Spiel bloss mit einer kämpferisch einwandfreien Leistung möglich. Die Gäste machten nicht den Eindruck, als müssten sie an ihre Grenzen gehen, um zu gewinnen. Der grosse Vorsprung war allen voran Eigenfehlern des Heimteams geschuldet, welche den Magdenern einfache Tore ermöglichten. Spürbar schalteten sie so nach dem Acht-Tore-Vorsprung mehrere Gänge zurück - Flügelspieler Ballmer trank gar ein Bier und kehrte dann aufs Spielfeld zurück (?!) - und gewährten dem TV Muttenz, der nun auch als Reaktion auf die beiden roten Karten ein völlig verändertes, mit hohem Einsatzwillen verbundenes Auftreten an den Tag legte, wieder den Anschluss. Treffer um Treffer wurde geworfen, ein zwischenzeitlicher 6:1-Lauf erzielt. Spätestens mit dem erstmaligen Ausgleich (19:19/52.) standen auch die gut 50 Zuschauer in der Halle vollständig hinter ihrem Team. Das zweimalige Davonziehen mit zwei Toren (22:20/23:21) sorgte dann gar für extatische Jubelschreie auf den Rängen. Doch es folgte Akt III...      

Akt III: Die Katastrophe zum Schluss/der TVM verliert
Eingeläutet wurde dieser mit der Hinausstellung von Pascal Schnell (54.), der in einer sehr diskussionswürdigen Szene von den Schiedsrichtern für eine Schauspieleinlage seine dritte Zweiminuten-Strafe und die damit dritte rote Karte für Muttenz gezeigt bekam. Die Gemüter erhitzten sich also noch mehr und ein weiterer Rückschlag musste verkraftet werden. Dennoch startete man mit zwei Toren Vorsprung in die Schlussphase und hatte alle Karten in der Hand, um dieses Spiel zu gewinnen. Beim Stand von 23:21 zeigte die Matchuhr an, dass noch zwei Minuen fehlten, um einen weiteren Grossen der 2. Liga ein Bein zu stellen. Dennoch verstand man es nicht, den Ball zu halten und weitere Zeit von der Uhr zu nehmen. Man könnte es als fehlende Spielintelligenz bezeichnen, auf der anderen Seite könnte man auch bei der fehlenden Erfahrung des jungen Muttenzer Kollektivs den Grund suchen, weshalb in den entscheidenden Momenten nicht der Situation entsprechend reagiert wurde. Die Magdener auf der anderen Seite, mit der Wut eines angeschossenen, aber hypernervösen Raubtiers, zeigten in diesen beiden Schlussminuten ihre ganze Erfahrung und gestalteten ihre drei verbleibenden Angriffe erfolgreich, ohne dass eine Reaktion der Muttenzer, die notabene in Überzahl agierten, gekommen wäre.

Mit 23:24 ging das Drama in drei Akten an die sichtlich erleichterten Aufstiegsanwärter aus dem Fricktal. Auf Muttenzer Seite blieb nach diesem Spiel viel Enttäuschung zurück, allerdings auch eine grosse Portion Zufriedenheit, hatte man doch seine Haut so teuer wie möglich verkauft. Aus dieser Niederlage in extremis in einem Spiel mit einer eishockeyhohen Strafenzahl und drei roten Karten wird das junge Eins mit Sicherheit seine Lehren ziehen. Diese kann es bereits nächsten Samstag beim Rückspiel in Magden (17:00, Turnhalle Magden) unter Beweis stellen. Auch dort wird die Rollenverteilung ähnlich deutlich sein. Doch wie heute gesehen - und damit fünf Franken ins Phrasenschwein - muss jedes Spiel erst gespielt werden, ist der Ball rund, das Tor eckig und das Spiel dauert - nun gut - ein bisschen weniger lang als 90 Minuten. Schliesslich kochen auch die Magdener nur mit Wasser und der Sport schreibt verrückte Geschichten!


2. Liga: TV Muttenz - TV Magden 23:24 (8:13)
Kriegacker, Muttenz: 50 Zuschauer. SR. Brianza/Summ. TV Muttenz: Mario Mosimann, Sebastian Ebneter; Arim Schärer, Stefan Schneilin, Dominik Binggeli, Maximilian Jossbächer, Misa Kaspar, Simon Altwegg, Timo Fromm, David Fromm, Nikola-Alen Jeker, Pascal Schnell, Nico Kielbasa. Bemerkungen: Rote Karten gegen Schneilin (11./Foul), Kaspar (16./Tätlichkeit) und Schnell (54./dritte Zweiminuten-Strafe). Jeker scheidet verletzt aus (17.).

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2011 um 21:55 Uhr
 
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