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Die Abteilungsgeschichte E-Mail
Geschrieben von: Nico Kielbasa   



Hier eine kleine Abteilungschronik, die die facettenreiche Geschichte des Handballs in Muttenz von 1957-2010 zusammenzufassen und die heutige Vereinsphilosophie aufzuzeigen versucht.


1957 - 1977: Gründung, Handball-Boom und Qualifikationsspiele 1.Liga interregional/NLB

Alles begann rund um das Jahr 1957, als einige vom Handball begeisterte Muttenzer Turner ihren Wunsch nach einem eigenen Handballclub im Dorf äusserten, ohne sich dabei den Richtlinien des Eidgenössischen Turnverbands (ETV) unterstellen zu müssen. Daraufhin wurde der HC Muttenz 1957 gegründet. Kurz darauf kam es dann zur bizarren Situation eines Feldhandball-Cupspiels zwischen dem TV Muttenz und dem HC Muttenz auf dem Bizenenfeld, gleich hinter dem Muttenzer Bahnhof. 

In der Folgezeit war es vor allem unserem Ernst "Nesti" Schenk zu verdanken, dass der TVM seinen Handballern ermöglichte, eigene und teilweise von "fremden" Trainern geleitete Trainingsstunden zu besuchen. Ende der fünfziger Jahre begann dann der Drang in die Halle zum heutigen Hallenhandballspiel. Dass mit dieser Entwicklung auch die Jugendlichen im Dorf ihr Interesse am Handballsport entdeckten, rief wiederum "Nesti" auf den Plan, der es daraufhin auch den Jungen im TV Muttenz ermöglichte, dass sie ihrem Sport frönen konnten. Es wurde eine eigene Juniorenmannschaft gebildet, die recht erfolgreich an den Basler Hallenmeisterschaften anfangs der sechziger Jahre teilnahm.

Diese neu in die Abteilung integrierten jungen Spieler bildeten den Grundstock für einen nie zu erwartenden Handball-Boom beim TV Muttenz. Die 1. Mannschaft spielte schon früh die Wintermeisterschaft (bis 1990 gab es in der Region je eine Winter- und eine Sommermeisterschaft, danach nur noch die heute bekannte Winter-/Hallenmeisterschaft) in der 1. Liga regional und etablierte sich dort unter den besten Teams der beiden Halbkantone. Dank Verstärkung durch Werner Ebi, dem ehemaligen Akteur des RTV Basel und Schweizer Nationalspieler, gelang dem "Eins" 1972 der Aufstieg in die 1. Liga interregional. Als später auch noch Gusti Ebi (ebenfalls Alt-Internationaler) und Fritz Rudin, beide vom NLA-Club RTV Basel herkommend, die 1. Mannschaft des TVM unterstützten, konnte diese am Ende der Saison 1976/77 sogar die Aufstiegsspiele zur Nationalliga B bestreiten. Dort musste sie sich am Ende aber den noch stärkeren Gegnern beugen. Eine kleine Anekdote aus diesen Spielen bildet das Auftreten der Gebrüder Ebi: Als ehemalige Internationale und langjährige NLA-Spieler liessen sie sich von den Schiedsrichtern nur bedingt etwas sagen, in einer Partie kam es gar zu einem kleinen Handgemenge. Doch dies ist letztlich bloss eine Randnotiz in Erinnerung an eine sehr erfolgreiche Muttenzer Handballzeit.


1977 - 1990: Durststrecke der Aktivmannschaften, unvergessliche Höhenflüge der Junioren

Mit dem verpassten Aufstieg in die Nationalliga B flachte der Handball-Boom ein wenig ab und die 1. Mannschaft stieg im Winter 1981/82 in die 2. Liga ab, später in den Achtzigern sollte gar der tiefe Fall in die Anonymität der 3. Liga folgen. Um nach dem 1. Liga-Abstieg einen neuen Abschnitt einzuleiten, wurde 1981 Peter Hartmann vom TV Frenkendorf als neuer Trainer verpflichtet, der sich in dieser Phase mit seiner harten Arbeit zu einem der verdientesten Mitglieder des TV Muttenz Handball machte und dank dem die schweren Jahre nach den grossen Erfolgen überbrückt werden konnten. 

Während die Aktivmannschaften also ein wenig kleinere Brötchen backen mussten, brach eine ungemeine Erfolgsperiode von Juniorenmannschaften beim TV Muttenz an. Dabei stechen besonders die beiden Inter-Qualifikationen der A-Junioren (heutige U19) in den Wintern 1979/1980 und 1988/1989 unter der Leitung von Coach Patrice Mégroz heraus. Beide Male bezahlten die Muttenzer in der darauffolgenden Inter-Saison allerdings viel Lehrgeld gegen die grossen Mannschaften aus Bern, Zürich und Basel. Was trotzdem schön zu erwähnen ist, ist dass dank der traditionellen Heimstärke des TV Muttenz auch in der Margelacker-, bzw. Kriegacker-Halle einigen Favoriten ein Bein gestellt werden konnte.

Die achtziger Jahre gelten rückblickend gesehen als Geburtsstunde der hervorragenden Muttenzer Juniorenarbeit. Dies ist der Verdienst von insbesondere vier Personen: Markus Weller, der schon viele Jahre zuvor die Mini-Mannschaften ins Leben gerufen hatte, begann in der Saison 1985/86, handballerisch begabte Schülerinnen und Schüler im Alter von 7-10 Jahren an Primarschulen mit Plakatwerbung und Mundpropaganda in die Trainings des TVM zu locken und legte damit den Grundstein für die A-, B- und C-Juniorenbewegung. Diese wurde von Peter Hartmann, Patrice Mégroz und Jürg Nüesch, der noch vielen Mitgliedern als "Krümelmonster" in Erinnerung geblieben ist, erfolgreich mit mehreren Regionalmeistertiteln und Aufstiegen getragen. Sie war gar so erfolgreich, dass man hinter dem NLA-Vertreter RTV Basel den grössten Verein stellen konnte, was die Anzahl Mannschaften betrifft (es gab 4-5 Aktivmannschaften, Juniorenteams A, B, C, D und E, eine Seniorenmannschaft, sowie je eine Damen- und eine Juniorinnenmannschaft). In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass noch viele andere Persönlichkeiten ihre Freizeit dem Handballsport im Namen des Turnvereins Muttenz gewidmet hatten. Allen diesen sei hier stellvertretend für ihre grossartigen Leistungen herzlich gedankt.

Diese Erfolgsperiode war neben der guten und kontinuierlichen Förderung der Jungen auch auf den engen Zusammenhalt innerhalb der Abteilung zurückzuführen. Viele Mitglieder standen auch privat in engem Kontakt oder gingen zusammen zur Schule. Dieser "Kitt" führte zu einem grossen Eifer und Engagement für den TVM Handball, aber auch zur Freude am Zusammensein. Das Engagement drückte sich zu dieser Zeit im alljährlichen Wartenberg-Cup, dem Sommerturnier des TV Muttenz, aus. Die Freude am Zusammensein in den Fahrten ans Pfingst-Turnier in Freudenstadt (D) oder in der Teilnahme an von den Handballern organisierten Sommer-Trainingslagern. 


1990 - 2000: Erfolglosigkeit und ein RTV-Block

Nach dem Abstieg der A-Junioren aus dem Inter 1990 strukturierte der Verband den Spielbetrieb in der Region um, und verzichtete fortan auf eine eigene Sommer-Meisterschaft. Den eingeschlagenen Weg der nachhaltigen Juniorenarbeit beim TV Muttenz Handball wollte man deshalb aber nicht aufgeben. Die Förderung des Nachwuchses hatte weiterhin absolute Priorität und man war bestrebt, alle Positionen mit Leuten aus den eigenen Reihen zu besetzen. In einem Artikel der BaZ vom 22. März 1989 wird dieser Grundgedanke vom damaligen Obmann der Handballsektion, Claude Meier, noch weiter unterstrichen: "Die Distanz von Muttenz bis Basel ist heute, da jeder ein Velo oder Töffli besitzt, kein Grund mehr, um nicht handballerisch abzuwandern. Wir müssen den Jugendlichen einfach ein gutes Umfeld bieten, um sie bei der Stange zu halten."

Dass diese Absicht allerdings nicht immer automatisch mit Erfolg verbunden ist, stellte sich in den neunziger Jahren als wahr heraus. Die glorreichen Inter-Tage konnten nie mehr wiederholt werden und auch regional hinkte man ein wenig den Spitzenteams hinterher. Doch damit waren die Juniorinnen und Junioren nicht allein: Auch die Aktivmannschaften vermochten keine Glanzpunkte zu setzen. Zwar stieg die 1. Mannschaft wieder in die 2. Liga auf, bekundete dort allerdings grosse Mühe. 

Die Probleme des Eins, jeweils eine schlagkräftige Truppe für das Bestehen in der 2. Liga zu stellen, bereitete den Verantwortlichen grosses Kopfzerbrechen. Just zu diesem Zeitpunkt kam eine Anfrage einiger Spieler des RTV Basel, die damals keinen Stammplatz in der NLA-Mannschaft innehatten, ob sie sich dem TV Muttenz anschliessen könnten. Angesichts der problematischen Situation entschied sich die Vereinsleitung, diesem Begehren zuzustimmen und wich damit erstmals stark von der Ende der Achtziger formulierten Zielsetzung, jede Position im Verein mit eigenen Leuten zu besetzen, ab. In der Folge gelang es allerdings nur schlecht, eigene Junioren in diese starke Mannschaft einzubinden, sodass bei deren Auflösung anfangs 2000 ein Vakuum entstand. Ein Neuanfang musste her...  


2000 - 2010: Wachablösung der Generationen, 50-Jähriges, Vize-Schweizermeisterschaft und Inter-Qualifikation

Dieser Neuanfang war gleichzeitig auch ein Generationenwechsel. Mit dem Abstieg der 1. Mannschaft in die 3. Liga wurde ab 2003/04 ein komplett neues Fanionteam bestehend aus 19-22-jährigen Nachwuchsspielern ins Rennen geschickt. Dass man damit ein gutes Team beisammen hatte, wusste man, hatten diese Junioren doch in der Saison 2001/2002 unter Philippe Kirmser in überlegener Art und Weise den Regionalmeistertitel in der U21-Kategorie geholt und in den Aufstiegsspielen zum Inter nur knapp das Nachsehen gehabt. Ebenso klar war allerdings auch, dass ein derart junges Team Zeit benötigen würde, bis es um den 2. Liga-Aufstieg spielen kann. Nach zwei neunten Plätzen in Serie platzte in der dritten Saison dann der Knoten und die Mannschaft von Peter Hartmann stieg mit einem 3. Rang und dem Startverzicht der besser klassierten zwei Teams in die 2. Liga auf. Dort konnte sie sich bis zum heutigen Tag mit einem Team halten, das den perfekten Beweis für die gute Nachwuchsarbeit in Muttenz abliefert: Das Durschnittsalter der aktuellen 2. Liga-Mannschaft beträgt etwas über 21 Jahre.

Die lange Tradition von Damenmannschaften im TV Muttenz Handball nahm im Jahr 2004/2005 ein (vorläufiges) Ende. Nach einer Saison mit 15 Niederlagen und nur einem Forfait-Sieg wurde entschlossen, das noch verbleibende U19-Juniorinnen-Team aufzulösen.

Im Jahr 2007 feierte die Handballabteilung ihr 50. Jubiläum. Aus diesem Anlass gab es ein grosses und sehr freudvolles Fest, bei dem jedem Mitglied ein Jubiläums-Shirt überreicht wurde.

Die neuesten Erfolgsmeldungen des neuen Jahrtausends stammen neben dem Meistertitel der U21 im 2001/02 und dem Aufstieg des Eins allesamt von den Juniorenmannschaften. Obwohl die Resultate des Muttenzer Nachwuchses im neuen Jahrtausend zeitweise nur mässig gut waren, schafften es zwei Teams, grosse Ausrufezeichen zu setzen: In der Saison 2007/2008 gelang den U17-Junioren von Dieter Knobel und Timo Fromm der Gewinn des Regionalmeistertitels und ein Jahr darauf krönte das Gebrüderpaar Daniel und Michael Meister mit ihren U13-Junioren eine sensationelle Saison mit dem 2. Platz an der Schweizermeisterschaft!


Die Resultate der letzten zehn Jahre im Überblick:

 

MU13

MU15

MU17

MU19/21

TVM 1

TVM 2

TVM 3

FU19

2000/2001

-

-

?

?

M2 2.

M3 ?

-

?

2001/2002

-

-

7.

1. (U21)

M2 4.

M3 2.

-

6.

2002/2003

-

4.

8.

6. (U21)

M2 4.

M3 6.

-

4.

2003/2004

-

6.

8.

-

M3B 9.

M3B 3.

-

-

2004/2005

-

10.

1. (P)

-

M3B 9.

M3A 2.

-

5.

2005/2006

-

3. (P)

3. (P)

6. (U19/21)

M3B 3.

M3A 6.

-

-

2006/2007

-

9.

2.

6. (U19/21)

M2 6.

M3A 3.

-

-

2007/2008

-

7.

1.

4. (U19/21)

M2 6.

M3A 3.

-

-

2008/2009

1.

(2. CH)

3.

5.

3. (U19/21)

M2 7.

M3A 8.

M4B 7.

-

2009/2010

1.

(3. CH)

1.

(Inter-Q)

2.

1. (U19/21)

M2 8.

M3B 5.

-

-

Zeichenerklärung: P = Promotion (zweite Stärkeklasse), M2 = 2. Liga, M3 = 3. Liga, M4 = 4. Liga, CH = Schweizermeisterschaft, Inter-Q = Inter-Qualifikation, F = Frauen, M = Männer.



Die Saison 2009/2010:

Eine wahre Traumsaison erwischten die Muttenzer Handballer 2009/2010. Neben dem sicheren Klassenerhalt von 1. und 2. Mannschaft in 2., bzw. 3. Liga, holten sich drei Juniorenmannschaften den Regionalmeistertitel: Die U13 unter Daniel Meister, Mike Meister und Conny Meyer dominierten die regionale Szene nach Belieben und erreichten an der Schweizer Meisterschaft dazu noch die Bronzemedaille. Die U15, trainiert von Raphael Reinhard und Florian Rietschi setzte sich ebenfalls überlegen in der Region durch und schaffte als Saisonhöhepunkt die erste Inter-Qualifikation des TVM seit 1990. Die U19 von Lukas Fromm, Nico Kielbasa und Roman Aerni gewann 19 ihrer 20 Meisterschaftsspiele und wurde mit neun Punkten Vorsprung Meister. Dazu kam noch der knappe 2. Rang der U17, punktgleich mit Regiomeister Oberwil.


Um die Zukunft des TV Muttenz Handball ist es so im Moment sehr gut bestellt: Die Trainerposten in den Teams sind von vielen jungen Leuten besetzt, es kann seit Jahren ein Meisterschaftsbetrieb in allen Kategorien angeboten werden und die aktuellen Leistungen der Junioren lässt aufhorchen und schürt Hoffnungen, dass man schon bald nächste Erfolge verzeichnen kann. Dass diese nie erzwungen, sondern dank guter und ehrlicher Arbeit in die Wege geleitet werden, ist beim TV Muttenz genauso eine Verpflichtung wie der Grundsatz, dass man mit einem grossen Sportsgeist, viel Freude und Fairness ans Werk geht und in guten wie in schlechten Tagen versucht, gemeinsam das Beste für den Verein zu erreichen!

In diesem Sinne: Hopp TV Muttenz!

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 14. September 2010 um 20:06 Uhr
 
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